7.7.18

Genähtes: Ultraleichtrucksack

Wir haben letztens überlegt, mit welchem Gepäck wir durch Südamerika reisen wollen. Für die Wanderung durch Patagonien wollen wir ja unsere Ultraleichtrucksäcke nutzen, aber im Flugzeug aufgeben wollen wir die nicht, da sie uns zu sensibel sind. Also dachten wir an einen Sack, in den wir unsere Rucksäcke für den Flug stecken können. Mit Folie einwickeln wollen wir die Rucksäcke nicht, viel zu viel Müll!!! Ich dachte mir dann es wäre doch praktisch, wenn der Sack auch noch Schulterriemen hätte, um ihn auch auf dem Rücken zu tragen, um ihn auch auf den Busfahrten etc. direkt nutzen zu können, und nicht jedes Mal den Sack erst kurz vor knapp überstülpen zu müssen. Dann fand Matthias eine Anleitung für einen Rucksack aus IKEA-Taschen. Das hat mich sofort angefixt! Im Internet gibt es erstaunlich viele Anleitungen oder zumindest Berichte von Leuten, die sich Rucksäcke selbst genäht haben. Nur 1-2 aus IKEA-Taschen, der Rest aus "richtigem" Material. Aber ich fand das mit den IKEA Taschen super, und wollte das mal ausprobieren. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, dass allein das restliche Material (für Schulterträger, Netztaschen, Schnallen, etc.) bereits über 70 Euro kosten würde 😮 Aber als ich dann den Warenkorb fertig hatte, war ich schon so angefixt und hatte schon so viel Zeit in die Planung investiert, dass es mir egal war ;)

Bestellt habe ich bei Extremtextil. Der Laden ist mir bei all diesen Anleitungen immer wieder über den Weg gelaufen, ich glaube die haben alle da bestellt. Deshalb nutzte ich den auch. Ist echt super, was es da alles gibt! Dass ich wirklich alles bei dem einen Laden gekriegt habe! Leider ist die Mindestbestellmenge ein halber Meter. Z.B. für das Netzgewebe der Schultergurte ist das viel zu viel! Aber so ist das nun mal.

Übrigens habe ich das gesamte Projekt an der normalen Nähmaschine (meine DDR Veritas) genäht. Die Overlock war hier überflüssig. Meine antike Knoch konnte ich allerdings spätestens dann nicht mehr nutzen, als ich den Zickzackstich für das Einfassgummi brauchte. Die antike kann nur Geradstich, und der ist nicht elastisch.

Hier die Einkaufsliste:
* Schultergurte:
  - Oberstoff: 0,5m Netzstoff unelastisch 300g/qm
 - Zum einfassen: 4m elastisches Einfassband 25mm (lieber breiter wählen!)
* Outdoor Garn Rasant 75 1000m
* Rucksackschließe:
  - 2x 20mm Blitzverschluss zum einseitigen einfädel (die öffnen sich nicht so gut, lieber andere nehmen)
* 2. Schließe:
  - 1x kleiner Blitzverschluss: 10mm Blitzverschluss
  - 10mm reflektierendes Gurtband (von unten mit)
* Befestigung von Schultergurten oben:
  - 2x breiter Dreisteg: 45mm Dreisteg Alu (nicht optimal, siehe unten)
  - 1m 45mm Gurtband (zu viel)
* Befestigung von Schultergurten unten:
  - 20mm reflektierendes Gurtband (von oben mit)
* Brustgurt:
 - 1x 10mm Blitzverschluss zum einseitigen einfädeln (öffnet sich zu leicht, lieber einen anderen nehmen)
* Meshgewebe für Rückenplatteneinschub und Front- und Seitentaschen:
 - Einfassgummi (hab ich noch da)
* Weiches Klett 10x10cm: 0,5m Flauschband 100mm
* Stoff für Führungsschächte für das Alugestell: 0,5m Ripstop Fallschirmseide 2. Wahl
* Deckelfach:  Ripstop Fallschirmseide 2. Wahl (Rest von oben)
* Obere Oeffnung:  Zum einfassen: 2m 25mm Ripsband
* Trageschlaufe: IKEA Band

Schnittplan:



Inspirieren lassen habe ich mich hauptsächlich vom Module Pack und bei meinem eigenen Ultraleichtrucksack, dem Gossamer Gear Mariposa 60 (GG). Ich wollte auch alles abnehmbar machen, um es eben so wie es ist ohne die Anbauten im Flugzeug aufgeben zu können. Hüftgurt, Rückenplatte und Alugestell kann ich meinem GG entnehmen und wollte das alles daher auch an diesem Rucksack nutzen, und es im Urlaub dann zwischen beiden Rucksäcken hin und her tauschen.


Die Form der Schultergurte habe ich von meinem GG entnommen.


Die Schultergurte bestehen aus 6mm 3D-Netzgewebe. Ich habe noch unelastischen Netzstoff als Oberstoff gewählt, um die Last zu verteilen, und das Netzgewebe nicht zu sehr zu belasten. Ob das nötig ist, weiß ich nicht, da das Netzgewebe schon recht stabil wirkte. Aber schaden kann es bestimmt nicht. Auch wenn es die Arbeit nicht gerade erleichtert ;)
Den Netzstoff habe ich etwas größer zugeschnitten als das Netzgewebe. Auch da weiß ich nicht, ob das von Vorteil war oder nicht.

Links Netzgewebe, Rechts Netzstoff

Netzstoff auf Netzgewebe aufgelegt

Erst hatte ich versucht, den Netzstoff auf das Netzgewebe aufzunähen, bevor ich es mit dem Gummi einfassen wollte. Aber dabei hat sich durch den Nähfußdruck der Oberstoff verzogen und Falten gebildet. Bei einer Maschine mit Obertransport mag das gehen. Jedenfalls habe ich dann die Naht wieder aufgetrennt (ich hätte es auch nochmal ausschneiden können, war ja genug Netzstoff und Netzgewebe da, wegen der Mindestbestellmenge) und beide Schichten direkt mit dem Einfassgummi eingefasst. Das gestaltete sich als ganzschöne Frickelei, weil das Band doch schmaler war als ich gedacht hätte. Ich musste es beim nähen in die Breite dehnen, und versuchen, nicht vom Netzgewebe runterzurutschen. Dafür, wie frickelig das war, hat es dann aber ganz gut geklappt. Der Oberstoff ist nur leicht verschoben und gewellt, deutlich besser, als vorher. Und nur an einer Stelle bin ich vom Netzgewebe runtergerutscht, das musste ich nochmal öffnen und neu einfassen, dann ging es.


Die Klammern waren hier Gold wert! Ich habe sowohl Klammern als auch Nadeln, und ich wechsle je nach Anforderung zwischen ihnen. Manchmal auch einfach nach Gefühl. Allerdings kam ich auch 15 Jahre lang ohne Klammern aus ;) Sie sind also kein Muss.





Fertige Schulterträger :) Allerdings fehlen natürlich noch die Befestigungen. Für das Einfassgummi wäre es schön gewesen, wenn man mit Abstand hätte nähen können. So sind die Einfassungen jetzt plattgedrückt. Aber in der Nutzung stört das nicht, es ist mehr eine optische Sache.


dann fing ich an, die Nähte der IKEA Taschen zu öffnen. Die großen Taschen haben einen Boden, und die Wand ist ein langer Schlauch, der einmal außen rum geht. D.h. wenn man alle Nähte geöffnet hat, hat man eine lange Bahn, und ein kürzeres Stück.

Die Standardnaht die ich an diesem Rucksack verwendet habe geht folgendermaßen: Beide Teile links auf links knappkantig zusammennähen, dann an der Naht wenden (rechts auf rechts), und etwas breiter als vorher nochmal drüber nähen. Wenn es eine flache Naht werden sollte, dann habe ich die beiden Teile geöffnet, die Naht zu einer Seite gekippt, und nochmal knappkantig festgenäht. Ich kenne den Namen dieser Naht nicht. Falsche Kappnaht vielleicht?

So habe ich jedenfalls auch das Bodenteil mit dem Randteil der IKEA Tasche verbunden, um eine lange Bahn zu kriegen. Diese war lang genug für den Hauptteil des Rucksacks (Rückenteil, Vorderteil und Boden in einem Stück).



Da die IKEA Tasche bereits benutzt war, hatte sie ordentlich Falten! also bügelte ich sie etwas glatt. Besonders an den Nähten bügelte ich sie gerade, obwohl ich das garnicht gebraucht hätte, weil die Bahn breit genug war, sodass ich es einfach hätte abschneiden können. IKEA Beutel sind nicht sehr hitzebeständig, sodass ich beim bügeln lieber vorsichtig war. In den Sekunden, in denen dieses Foto entstand, ist der Beutel sogar etwas geschmolzen 😬 aber das konnte ich ja dann abschneiden, weil es breit genug war.


Dann habe ich die Außentaschen und die Einschubfächer für die Rückenplatte aus dem leicht elastischen Netzstoff zugeschnitten und mit meinem Gummiband mit Zickzackstich eingefasst.





Das sind die Einschübe für die Rückenplatte.


Dann nähte ich zwei Tunnel aus der Fallschirmseide, steckte das Alugestell hinein, steckte die Tunnel fest, und nähte sie fest. Die oberen Öffnungen umfasste ich per Hand, weil ich zu spät daran gedacht hatte, da was verstärken zu müssen 😉 sodass es nicht beim einschieben des Alugestells kaputt geht.

Am oberen Ende nähte ich ein Band mit Klett an, um das Alugestell gegen rausrutschen zu sichern.


Das ist eine einzige Bahn für Rückenteil, Boden und Vorderteil.

Das sind die Netztaschen für die Rückenplatte. Unten sieht man schon die Aufhänger für die Schultergurte und die IKEA-Trageschlaufe. Oben hinter der Netztasche ist ein 10x10cm Flauschklett, um den Schultergurt zu halten.

Netztasche auf der Vorderseite, noch unbefestigt oben.

Hier sieht man den Hüftgurt mit Hakenklett, der dann in der Netztasche auf dem Flauschklett haften soll.

So soll der Hüftgurt in der Netztasche sitzen.

Rückenplatte eingeschoben.
Die Netztaschen waren für die Rückenplatte leider etwas zu großzügig ausgefallen. Also musste ich die obere Netztasche wieder lösen und etwas tiefer neu annähen.

Die oberen Schulterträgerhalter sind übrigens 45mm Aludreistege. Das funktioniert leider nicht so gut wie erwartet. Ich wollte an den Schultergurten oben 45mm Gurtband annähen, und dann einfach durch die Dreistege schlaufen und fertig. Leider hielt das nicht so gut, und die Gurtbänder rutschten immer aus den Dreistegen raus. Dazu später mehr.

Den Abstand der Schultergurte maß ich auch am GG aus. Leider sind sie ein Stück zu dicht geraten, sodass ich sie im Nacken drücken merke. Ich werde das aber erstmal testen, bevor ich da nochmal Nähte öffne.



Jetzt nähte ich auch die vordere Netztasche oben mit dem Gummiband an.

Hier sind die beiden Seitenteile mit aufgenähten Netztaschen zu sehen. Auf der rechten Seite wollte ich schräge Netztaschen wie beim GG haben, um beim laufen an Wasserflaschen zu kommen, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen.


Als es an die Einfassung der oberen Öffnung ging, legte ich die Seitenteile und Vorder- und Rückenteil so aufeinander, wie sie nachher aufeinander genäht werden sollten, faltete die Teile in der Mitte zusammen, und schnitt einmal oben eine gerade Kante ab, um alle Teile gleich hoch zu haben.



Dann fasste ich die obere Öffnung mit dem Ripsband ein (einseitig, also nicht um die Kante umgeschlagen. Hätte man machen können) und nähte die Schließen an.

Das Deckelfach wollte ich nicht einfach aus IKEA Plane haben, weil das nicht so angenehm ist, wenn man da mit den Händen reingreift. Also wollte ich die Tasche aus der Fallschirmseide nähen, weil da sowieso viel übrig war. Aber die war so hauchdünn, dass ich die Tasche dennoch mit IKEA Stoff hinterlegen wollte. Der Reißverschluss ist sichtbar eingenäht. Eine Anleitung dazu gibt es auf Makerist: "Reißverschlüsse und Co. perfekt verarbeiten lernen". Makerist kann ich sehr empfehlen! Da habe ich gelernt, ordentlich zu arbeiten. Vorher war alles kreuz und quer.

Anyway, dann legte ich die Seitenteile auf das Rücken- bzw. Vorderteil und nähte es mit der oben erwähnten Naht fest, also erst alles links auf links, dann den ganzen Sack gewendet, und nochmal alles rechts auf rechts. Diese Nähte nähte ich dann aber nicht flach. Ich fing auch an, die Teile von der Öffnung her aufzunähen, um oben definitiv alle auf der gleichen Höhe zu naben. Beim Boden drückte ich mir dann alles so zurecht, dass es passte (es passte erstaunlich gut!) und nähte es fest. Die Ecken sind natürlich etwas fummelig, aber das geht schon.


Voila, der quasi fast fertige Rucksack, mit Rückenplatte, Alugestell, und Hüftgurt vom GG. Oben sieht man das Deckelfach. Wegen des Deckelfachs habe ich auch keinen Rollverschluss gewählt.


Und der Rucksack von vorne. Das einzige, was rumbaumelt, sind die Verschlussgurte. Ob die beim Flugzeug ein Problem sind, muss ich gucken, oder mir noch was einfallen lassen. Aber beim Flug ist der Verschluss ja geschlossen, weil ja was im Sack sein wird.


Öffnung oben. Man sieht unten die zwei kleinen Verschlüsse, oben die zwei größeren (die sich leider blöd öffnen lassen), und innen leuchtet etwas das Alugestell. Man sieht auch oben, wo es dunkler ist, das Deckelfach. Unten, wo es dunkler ist, sind die Netztaschen.

Hier ist die kleine Schließe geschlossen. Das vereinfacht das schließen mit der größeren Schließe. Das System habe ich vom GG abkopiert.

Und der geschlossene Rucksack, mit etwas Inhalt.

Reißverschluss zum Deckelfach.





Ich erwähnte noch, dass das mit dem Gurtband im Dreisteg zur oberen Befestigung der Schultergurte nicht so gut funktioniert hat. Also versuchte ich es mit Klett. Ich nähte unten das Hakenklett und oben das Flauschklett an und kürzte das Band auf die Länge. Das geht schon halbwegs, aber besonders beim aufsetzen des Rucksacks ist der Klett nicht stabil genug und öffnet sich gerne. Ich denke da werde ich noch nachbessern, vermutlich indem ich das Gurtband als Schlaufe festnähe, dann durch den Dreisteg durchstecke, und einen Knebel durch die Schlaufe ziehe, ähnlich wie beim Module Pack.



Unten an den Schultergurten habe ich das lange Band angenäht, und die Leiterschnalle am Rucksack selbst, nach Anleitung des Module Pack. Normalerweise kommt das Band ja von unten und die Leiterschnalle ist am Schulterriemen. Wenn man dann den Schulterriemen enger haben möchte, zieht man am Band nach unten, und das Band kürzt sich. Hier wollte ich das genau andersrum machen, um nicht noch ein rumbaumendes Band am Rucksack zu haben, das sich im Flugzeug/auf dem Laufband verfangen kann. Und das funktioniert sogar! Nachdem ich anfänglich das Band falsch eingefädelt hatte, und mich wunderte, warum das nicht hält, hält es nun sehr sicher! Wunderbar!


Und auch ein Brustband darf an meinen Rucksäcken nicht fehlen. Als ich den fertigen Rucksack auf hatte, guckte ich, auf welcher Höhe ich das Band gerne ungefähr hätte (mit etwas Spiel nach oben und unten, falls der Rucksack mal anders sitzt), und nähte das Band fest. Dank der abnehmbaren Schulterträger ging das ja ganz einfach, auch am fertigen Rucksack 😁







Und reflektieren sollte er auch gut, mit den ganzen Reflektorbändern 😊 Ich bin ganz zufrieden! Jetzt muss ich nurnoch das obere Schultergurtproblem lösen, und dann kann es los gehen! Ich freu mich 😊